| Schläge im Namen des Herrn |
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Nachts wird das neunjährige Mädchen im katholischen Kinderheim in Eschweiler von der Nonne der "Armen Dienstmägde Jesu Christi" geweckt. Gehorsam gewohnt, wagt die Kleine nicht, nach dem Grund zu fragen. Sie muss Anorak und Gummistiefel über den Schlafanzug ziehn. Dann wird sie in den Garten unter einen Apfelbaum geführt. Es regnet. Die "Arme Dienstmagd Christi" verschwindet für einen Moment. Dann kommt sie mit einer Schaufel wieder. "...jetzt bist du dran. Du gräbst jetzt dein Grab!"So geschehen 1970 im Heim der "Armen Dienstmägde Jesu Christi" zu Eschweiler. Prügelpädagogik die Regel christlicher Heimerziehung. Keine Ausnahme! Die Regel! Prügelpädagogik, Maßstab evangelischer und katholischer Heimerziehung in der alten Bundesrepublik von 1945 bis 1975. Zum Teil auch darüber hinaus.Beim Lesen des Buches "Schläge im Namen des Herrn" von Peter Wensierski bekam ich buchstäblich und nicht nur im übertragenen Sinne Magenschmerzen... Was hier nüchtern und ohne Ideologie dokumentiert wird, schmerzt sehr! Bis heute keine Entschuldigung seitens der Kirchen Die Opfer aber christlicher "Nächstenliebe" sind bis heute traumatisiert. Nicht rehabilitiert. Warten vergebens auf eine Entschuldigung oder auch nur ein Schuldeingeständnis der beiden großen Kirchen. Von christlicher "Nächstenliebe" traumatisiert
Im Klappentext zum Buch heißt es: Die Erlebnisberichte in diesem Buch enthüllen das vielleicht grösste Unrecht, das jungen Menschen in der Bundesrepublik angetan wurde. Manchmal genügte den Ämtern der denunziatorische Hinweis der Nachbarn auf angeblich unsittlichen Lebenswandel, um junge Menschen für Jahre in Heimen verschwinden zu lassen. In diesen Institutionen regierten Erzieherinnen und Erzieher, die oft einem Orden angehörten und als Verfechter christlicher Werte auftraten, mit aller Härte. Die 'Heimkampagne', mit ausgelöst von Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Ulrike Meinhof, sowie die Proteste der 68er brachten einen Wandel. Auch über dieses, weitgehend in Vergessenheit geratene Kapitel, berichtet das Buch." Auch die Politik schweigt Auch die Politik schweigt bisher. Sie trägt selbstverständlich große Mitschuld, da sie über die Jugendhilfe hätte Einfluss nehmen können, dies aber damals selbst bei erschütternden Berichten betroffener Heimkinder schlicht unterließ.Deshalb wäre es an der Zeit, Gesprächsrunden zustande zu bringen mit dem Ziel, Wege zur Rehabilitierung, "Wiedergutmachung" und Entschädigung zu suchen. Aber auch Gespräche in einer Art "Täter-Opfer-Ausgleich" könnten hilfreich für beide Seiten bei der Aufarbeitung der persönlichen wie allgemeinen Geschichte christlicher Heimerziehung sein! Während etwa die Insassen des berüchtigten geschlossenen Jugendwerkhofes Torgau in der DDR durch ein Grundsatzurteil aus dem Jahre 2004 rehabiltiert worden sind und Anspruch auf Rückerstattung von Auslagen haben (wenn auch (noch?) nicht auf Entschädigungszahlungen!), hat sich des Schicksals der Heimkinder/West noch kaum einer angenommen. Vermutlich vom bekannten Grundsatz her, "weil nicht sein kann, was nicht sein darf"... Das Böse hatte der atheistische Osten gepachtet... Nach allgemeinem west-deutschem Konsens... Betroffene Heimkinder haben sich inzwischen in einem e.V. zusammengetan. Hier die Adresse:
Michael-Peter Schiltsky Andreas Kuhnert (... der davon ausgeht, dass das Buch von Wensierski zur Pflichtlektüre im ev. und kath. Religionsunterricht in Berlin-Brandenburg werden wird...) |

"Du gräbst jetzt dein Grab!"

