| Milch! |
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Geschichten aus dem Tollhaus! Eine Welthungerkonferenz jagt die andere. Verzweifelte Bauern in Deutschland schütten die Milch in den Gully. Bei ihren Berufskollegen in Uganda wird die Milch sauer, weil sie preislich mit den subventionierten EU-Milch-Importen nicht mithalten können. Kapitalismus live!
Dieser Tage gedachten SPD-Granden - eher zurückhaltend als selbstbewusst - des 145-jährigen Bestehens ihrer Partei. Und noch stiller dessen, das die SPD einstmals angetreten war, um jenem Raubtierkapitalismus die Zähne zu ziehen, der von kritischen Soziologen seiner Zeit wie folgt beschrieben wurde:
„Die große Industrie hat den Weltmarkt hergestellt... Der Weltmarkt hat dem Handel, der Schifffahrt, den Landkommunikationen eine unermessliche Entwicklung gegeben... An die Stelle der alten, durch Landeserzeugnisse befriedigten Bedürfnisse, treten neue, welche die Produkte der entferntesten Länder und Klimate zu ihrer Befriedigung erheischen. An die Stelle der alten lokalen und nationalen Selbstgenügsamkeit und Abgeschlossenheit tritt ein allseitiger Verkehr, eine allseitige Abhängigkeit der Nationen voneinander... Die nationale Einseitigkeit und Beschränktheit wird mehr und mehr unmöglich..."*
„Schweigen sie von Marx!" lässt Albert Camus einen verzweifelten Revolutionär sagen. „Er hat gerade keine Konjunktur." Reden wir von Marx, würde er ihn heute vielleicht ausrufen lassen, solange der Neo-Liberalismus - auch in den Köpfen von Politikern - Konjunktur hat...
Andreas Kuhnert 08.06.08
* Karl Marx / Friedrich Engels „Kommunistisches Manifest" (1848) |

Schulbücher der DDR zitierten 40 Jahre lang ein Foto, mit dem die ganze Perversität des „Kapitalismus" beschrieben werden sollte. Amerikanische Bauern schütten Milch ins Meer, um die Preise hochhalten zu können...
Das Wort „Globalisierung" war noch nicht erfunden. Das Alibi des Kapitals für Sozialabbau und rücksichtsloses Wirtschaften aber schon... Diesem Wirtschaftsliberalismus trat die SPD im 19. Jahrhundert mit der Idee von einer gerechten, solidarischen Gesellschaft entgegen. Die Zeiten haben sich gewandelt. Die Aufgabe ist dieselbe geblieben. Es mangelt nicht an gesellschaftlichen Alternativentwürfen. Es mangelt lediglich am Mut, diese sich auch auf die roten Fahnen zu schreiben...

