| Zu der Bankenkrise |
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Moral
- Ein gar nicht so abwegiger Exkurs zum Thema Geldherrschaft -
Wir in der DDR wussten, was schief läuft im „real existierenden Sozialismus". Und haben es auch beim Namen genannt. Die DDR-Propaganda war so plump und durchschaubar, dass 95% der Menschen nicht wirklich darauf hereingefallen sind! Die Westdeutschen aber scheinen gar nicht zu merken, wie sie den subtilen Manipulations- und Ideologiemechanismen des real existierten Kapitalismus (= „Geldherrschaft") auf dem Leim gegangen sind und gehen. Kein Minister dürfte mit dem Zusatz „So wahr mir Gott helfe!" zu schwören. Denn Gott verbietet das Spekulieren mit Geld. „Wenn du deinem Bruder, einem Armen, Geld leihst, so sollst du ihm gegenüber nicht wie ein Wucherer handeln. Ihr dürft ihm keinen Zins auflegen". (Exodus 22, 25) „Leihet ohne etwas dafür zu hoffen." (Lukas 6, 35) In diesem Punkte stehen übrigens Tora, Bibel und Koran in Lessingscher Eintracht eng beieinander!
So christlich, so moralisch überlegen ist die westliche Gesellschaft, dass sie zulässt, ja sich geradezu darin konstituiert, dass täglich über 2 Billionen US-Dollar ausschließlich zu spekulativen Zwecken um den Globus kreisen! 97% aller Geldbewegungen! Nur 3% der Geldgeschäfte weltweit dienen dem von Aristoteles beschriebenen „eigentlichen Zweck" des Warentauschs und der Investition! 1.340 Md. $ haben die westlichen Industrienationen 2007 in Rüstung investiert, rechnet das schwedische Friedensforschungsinstitut SIPRI vor. Aber nur 104 Md. in Entwicklung! Klar, weil die Rendite bei Rüstung um ein Vielfaches höher ist als bei Entwicklungshilfe! Das Milleniumsziel, die Zahl der Hungernden weltweit von 800 Mill. bis 2015 zu halbieren, ist in unerreichbare Ferne gerückt. Die Zahl der Menschen ohne ausreichende Nahrungsmittelversorgung hat sich laut Welternährungsorganisation FAO seit dem Jahre 2000 nicht verringert, sondern auf 923 Mill. erhöht!
Andreas Kuhnert |

Seit 18 Jahren wird mir als Ost-Pfarrer die Frage gestellt, ob denn die Ostdeutschen nach 40 Jahren Diktatur, stalinistischer Ideologie und atheistischer Erziehung nicht ein moralisches Defizit hätten, dem ich mich als bekennender Christ und Politiker zu stellen hätte. Seit 18 Jahren antworte ich stets das Gleiche: Liebe westdeutsche Freunde, das moralische Defizit ist ganz bei euch! Eine Gesellschaft, die zuschaut, wie täglich 30.000 Kinder Hungers sterben, und Milch wegschüttet, eine Gesellschaft, die Norbert Blüm (CDU) zufolge eine „Schnäppchengesellschaft" ist, eine Gesellschaft die aus purer Gewinnlust mit Geld rund um den Globus spekuliert, bis alles zerplatzt wie eine Seifenblase, eine solche Gesellschaft hat allen Grund über ihre moralischen Defizite nachzudenken!
Und der bedeutendste Denker des Altertums fügt hinzu: „Der Wucherer ist mit vollstem Recht verhasst, weil das Geld hier selbst die Quelle des Erwerbs ist und nicht dazu gebraucht wird, wozu es erfunden ward. Denn für den Warenaustausch entstand es, der Zins aber macht aus Geld mehr Geld ..., so dass er von allen Erwerbszweigen der Naturwidrigste ist." (Aristoteles, Politik I, 3)
Diese westliche Gesellschaft kann nicht auf ewig von ihrer Überlegenheit über die östlichen Diktaturen zehren! Besser zu sein als eine Diktatur ist noch keine Leistung! Um der Zukunft der Menschheit Willen haben wir allen Grund, über die moralischen Grundlagen unserer Gesellschaft nachzudenken. Norbert Blüm und ich fangen einfach schon mal damit an... Wenn's sonst Keiner tut...

