| 20 Jahre Mauerfall |
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MAZ ZEITGESCHICHTE (27.8.09) Der Ärger mit dem Schmied Netzens Pfarrer Kuhnert und Jugendliche trugen „Schwerter zu Pflugscharen“ zur Schau
NETZEN - Andreas Kuhnert ist erstaunt. 20 Jahre hat er die runde Tafel nicht mehr gesehen. Und nun steht sie da, in der Ecke, im Aufgang zum Turm der Netzener Kirche. Kuhnert war von 1978 bis 1990 Pfarrer in Netzen, seither sitzt der Lehniner im Landtag. Zur Friedensdekade im November 1981 habe er dann die Tafel an die Kirche gehängt. Dass die Staats- und Parteiführung mit ihren untergeordneten Stellen dagegen zu Felde ziehen würden, war ihm klar. Und so klingt die Argumentation, mit der man damals Spruch und Schmied verteidigte, schelmenhaft. Junge Gemeinde im Visier der Stasi
Katrin Rudolph, geborene Schenk, aus Nahmitz gehörte zur Jungen Gemeinde der Netzener Kirche und zu den Schülern, die mit dem Aufnäher auch zur Schule gingen. Sie besuchte die POS „Friedrich Engels“ in Lehnin. 1981 „wurde ich aus der Klasse geholt. Schulleiter Konnegen und zwei mir unbekannte Herren befragten mich nach dem Die Trapo hielt mich fest Kuhnert berichtet von Jugendlichen in der DRR, die Anfang 1982 sich aus Protest weiße Flecken auf die Jacken nähten oder auf den Ärmel schrieben: „Hier war ein Schmied.“ In Grebs sei er deswegen mit dem Abschnittsbevollmächtigten aneinander geraten. „Machen Sie das ab?“, habe er den Pfarrer gefragt. Er habe den Kopf geschüttelt. „Dann ist das Thema für mich erledigt.“ Dass diese Begegnung in der Stasi-Akte Kuhnerts festgehalten wurde, ist nicht weiter verwunderlich. Handgreiflich seien Polizisten in Brandenburg und Magdeburg geworden. „Die haben mich einfach gepackt und mitgenommen.“ Erst als erwiesen war, dass Kuhnert ein Geistlicher ist, „haben sie mich wieder laufen lassen“. An den Stab am Schild kann sich Kuhnert nur allmählich erinnern. „Wir sind beim Olof-Palme-Friedensmarsch in Berlin dabei gewesen“, sagt er und vermutet, dass er zu diesem Anlass den Schmied am Stiel vor sich hergetragen hat. Durch Netzen oder Lehnin sei damit keiner gezogen. Diese Form der Revolution hat auf dem Dorfe nicht stattgefunden. „In Brandenburg haben wir mitgemacht.“ Damals im Herbst 1989. Dann ist das Schild aus der Öffentlichkeit verschwunden. Es hat seinen Dienst erfüllt. (Von Heiko Hesse) |

„Schwerter zu Pflugscharen“ steht darauf, daneben ist das Bild eines Schmiedes zu sehen, der eine Waffe in ein Ackergerät verwandelt. „Die Vorlage dafür hatte ich von dem Aufnäher“, erinnert sich Kuhnert und schwärmt von seiner politischen Bastelstunde damals im Netzener Pfarrhaus. Irgendwann 1981, sagt Kuhnert, habe er die Tafel angefertigt. „Für den roten Kreis habe ich einen Stift von unserer westdeutschen Partnergemeinde benutzt.“
Aufnäher.“ Und wo der herkomme. „Ich habe denen erzählt, dass das Bild des Schmiedes das Denkmal ist, das die Sowjetunion der Uno geschenkt hat. Da hatten die Herren zu tun.“ Tatsächlich wollte die Sowjetunion mit dem Schmied ihren Friedenswillen ausdrücken. Schließlich sei dem Schulleiter nichts weiter eingefallen, als Schülerin Schenk aufzufordern, das Ding da zu entfernen. Angst habe sie keine gehabt. „Meine Mutter hatte ihn dran genäht, sie hat ihn auch wieder entfernt.“ So hätten es auch die anderen jungen Leute getan. „Wir waren ja keine Widerstandskämpfer.“
