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Mit eigenem Kopf, MAZ 2.9.09

- Der Fraktionszwang ist SPD-Mann Andreas Kuhnert nicht heilig -

LEHNIN - Der Mann ist überall in seinem Wahlkreis, nicht nur jetzt, wo es wieder einmal um seinen Job geht. Entweder informiert er die Landfrauen in Weseram über das Thema Demenz oder er spendiert Jeseriger Schulkindern einen Fußball aus dem so genannten fairen Handel oder er wohnt einem Gedenkgottesdienst in Warchau bei oder er führt in Kloster Lehnin die Sitzung der Gemeindevertretung. Vor fünf Jahren hat er gesagt, dass er nicht erst auf Tour gehe, wenn die Wahl bevorsteht. Er hat Wort gehalten.

ich, vor pfarrhaus.jpgAls kulturpolitischer Sprecher seiner Fraktion will er weiter Akzente setzen. Gleichwohl sind es die großen Themen „Gerechtigkeit“ und „Miteinander“, die den 58-Jährigen umtreiben. Deshalb hat er den runden Tisch Demenz in Lehnin mit aufgebaut, deshalb hat er sich zum Familienpaten im Netzwerk gesunde Kinder ausbilden lassen. Er steht auch schon mal in Potsdam auf der Straße und sammelt Spenden für die internationale Kindernothilfe oder bittet um Unterstützung für die Hilfsaktion für Litauen des Kirchenkreises Lehnin-Belzig. Hin und wieder fährt er mit in dieses arme Land und kehrt mit erschütternden, aber auch hoffnungsvollen Bildern und Geschichten zurück.

Bürger nah

Dass der Mann einst auch den Beruf eines Pfarrers ausgeübt hat, merkt man auf Schritt und Tritt. Ruhig und besonnen führt er Gespräche, verliert sich manchmal zu sehr in fairtrade, lehnin 1klein..jpgden Tiefen der globalen Ungerechtigkeit, müht sich ernsthaft, ein Interessenvertreter seiner Region zu sein. Das kann durchaus gegen den Mehrheitswillen seiner Fraktion geschehen, wie das Ringen um die Grundzentren belegt. Derweil die künftige Landesentwicklung ohne Grundzentren für die große Koalition im Grunde klare Sache ist, unterzeichnet Kuhnert als Gemeindevertreter ein Protestschreiben an das Land. „Ich weiß, dass mich das in meiner Fraktion nicht unbedingt beliebt macht“, sagt er und es klingt, als fühle er sich eher geadelt als geärgert. Obwohl der Mann seit dem Neustart des Landes Brandenburg stets über das Direktmandat in den Landtag eingezogen ist, taucht er in der Liste jetzt weit hinten auf, auf aussichtslosen Platz 43. Bei derzeit 33 Mandaten der SPD im Landtag keine gute Aussicht. Viermal hat er es ohne die Liste geschafft. Zuletzt war es allerdings verdammt knapp.

Verstehen wollen 

Wenn Kuhnert nicht Politik macht oder ehrenamtlich unterwegs ist, radelt er, geht ins Kino, ins Theater oder liest. Die Literatur, die er gerade studiert, ist vielfältig und lebenshilfe.jpgirgendwie immer sachdienlich. Den „Drachenläufer“ von Khaled Hosseini, um Afghanistan zu verstehen. Von Freya Klier will er vieles über das Maueropfer Michael Gartenschläger erfahren. Oder er wälzt sich durch Melvilles Klassiker „Moby Dick“. Warum? Journalist und RAF-Experte Stefan Aust hat in einem Zeitungs-Interview einmal gesagt, „dass man ,Moby Dick’ lesen muss, um die Terroristen der RAF verstehen zu können“, sagt er. Kuhnert möchte verstehen, was in die wirren Köpfen dieser gefährlichen Menschen vorgegangen ist. Das ist ein wesentliches Motiv im Wirken des Mannes: die Dinge und die Menschen verstehen, erklären, vermitteln und zusammenführen. (Von Heiko Hesse)

 

Kontakt

Friedenstr. 17
14797 Kloster Lehnin
Tel.: 03382/700611

 

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